Paris, 13 November 2015, Ölfarbe auf Leinwand, 120 x 180 cm

Dieses Gemälde widme ich den Opfern von Paris.
 
Am 13. November 2015 erschüttern die Nachrichten aus Paris die Welt. Wenige Tage danach stand das Bild der weinenden Marianne vor meinen Augen. Meine innere Erregtheit verlangte die sofortige Umsetzung in ein Gemälde.
Die gesenkte Trikolore der Hauptfigur gibt die grundlegende Aufteilung der Bildkomposition in drei waagerechte Streifen in blau, weiß und rot vor. Diese heiter festlichen Farben, die Unmenge von Blumen, die den roten Streifen bilden, und die Anmut der klassisch gewandeten jungen Frau lassen auf den ersten Blick den Eindruck harmonischer Schönheit entstehen. Sieht man allerdings genauer hin, so erkennt man, dass das Blaugrau der Wolken Rauchschwaden sind, durch die man schemenhaft einen Explosionsblitz und Blaulichter wahrnimmt. Das Weiß entpuppt sich als Blumenpapier und Laken, unter denen Körper zu erahnen sind; aus dem Blumenmeer tropft am unteren Rand rote Farbe wie Blut hervor und zwischen den Blüten schaut uns der Maler an und streckt uns seine Hand entgegen, bildlicher Ausdruck für Anteilnahme und Identifikation mit den Opfern. Inmitten der Blumen steht Marianne mit phrygischer Mütze und weißem Gewand, die Symbolfigur für Freiheit und die Französische Republik. Ihre Darstellung bezieht sich vor allem auf die berühmte Freiheit, die das Volk anführt, von Eugène Delacroix. Allerdings steht die trauernde, quasi verlassene Marianne von 2015 in starkem Kontrast zu der heroischen, fahnenschwingenden Figur von 1830, die die Menge zu revolutionärer Begeisterung entflammt.