Rolf Kuhlmann

Rolf Kuhlmann
Rolf Kuhlmann wurde 1963 in Köln geboren. Ab 1984 studierte er an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe. 1990 vollendete er seine Studien als Meisterschüler von Professor Gerd van Dülmen. Studienaufenthalte ziehen ihn von 1989-1990 nach Rom und Süditalien. 1991 erhält er ein Stipendium der Landesgraduiertenförderung Baden-Württemberg. Rolf Kuhlmann kreiert Gemälde, die in stilistischer Hinsicht an alte Meister des Barock erinnern. Seine Bilder sind jedoch nicht klassizistisch im Sinne einer reinen Nachempfindung historischer Vorbilder, sondern neue Kompositionen: Traumszenen gleich nehmen Gestalten und Gegebenheiten aus antiker Geschichte und Mythologie neuartige und verfremdete Individualitäten an.
Der Künstler verfolgt in seinen altmeisterlich wirkenden Gemälden ein subtiles Spannungsfeld zwischen Spiel, Traum und Wirklichkeit. Das Gemälde "Hylas und die Nymphen" zeigt drei junge hübsche Mädchen, die in einem kleinen See mitten im Wald baden gehen. Sie tollen im Wasser herum. Die Mädchen umringen einen jungen Mann, der von ihnen festgehalten und unters Wasser gedrückt wird. Der am Ufer stehende Mann scheint dem Betrachter zuzuwinken und ihn zu ihrem Spiel einzuladen. Ein weiteres Waldstück mit dem Titel "Venus bergen" zeigt eine Gruppe Männer, die eine Venusstatue ausgegraben und diese an die Oberfläche gebracht haben. Sie sind von der schweren Arbeit angestrengt und schweißgebadet. Die Bergung der Venus wird von einer Frau mit ihren beiden Kinder ohne großes Interesse beobachtet. Die beiden Gruppen stehen in Kontrast zueinander: auf der einen Seite hektische Betriebsamkeit und Anstrengung, auf der anderen Seite Ruhe und Erholung.
Bilder stellen nie nur dasjenige aus, was sie erkennen lassen und sichtbar machen, sondern auch den besonderen Blick darauf. Sie offenbaren unsere Art zu sehen. Deswegen stellen sich Fragen danach, wie sie gesehen werden und aus welcher Perspektive sie betrachtet werden.
Die virtuosen Malereien des Kölner Künstlers Rolf Kuhlmann aktivieren auf den ersten Blick eine Vielzahl von Assoziationen aus unseren alltäglichen banalen Erfahrungen und aus dem reichen Fundus der Kunstgeschichte.
Neben der Renaissancemalerei eines Piero della Francesca, seinem additiven Bild- und guckkastenartigen Raumprinzip, den Fresken von Luca Signorelli, den enigmatischen Bildern von Giorgione, den holländischen Stilleben, den Studien der menschlichen Leibesfülle von Rubens, erinnern sie uns bis hin an die offenbare Klarheit der literarisch inspirierten Malerei der Nazarener, an die geheimnisvolle ausschnitthafte Bildwelt von Eduard Manet, die merkwürdigen Personengruppen in den Bildern von Paul Delvaux und die verkapselte Welt von de Chirico und Balthus.
Gekonnt virtuos spiegelt Rolf Kuhlmann in seinen Bildern, die den Bereichen der Rätsel und der Geheimnisse, der Alltagsmythen, individueller Mythologien, zuzuordnen sind, zuallererst die Befindlichkeit unserer Gesellschaft im Gewand mythologischer, katholisch-barocker Allegorie.